Alle reden vom Fachkräftemangel und darüber, wie man diesen vermeiden kann. Ihn zu beheben fängt bereits in der Schule an. Hier ist es wichtig, ganz gezielt die potenziellen Auszubildenden anzusprechen und diese auf das eigene Unternehmen, bzw. dem Ausbildungsberuf neugierig zu machen. Hierfür gibt es entsprechenden Veranstaltungen wie etwa die Ausbildungsbörse im Goldenberg Europakolleg in Hürth sowie den Marktplatz der Möglichkeiten, den der AWH ins Leben gerufen hat und jetzt im dritten Jahr organsiert.
Über den Erfolg, den die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung haben kann, berichten wir hier gerne am Beispiel des AWH-Mitglieds Steintechnik Bollig.
Thomas Schmitz, Geschäftsführer von Steintechnik Bollig in Hürth hat Anfang des Jahres 2025 an der Ausbildungsbörse im Goldenberg Berufskolleg teilgenommen.
Bereits im Vorfeld hatte er sich Gedanken gemacht, wie er die jungen Menschen ansprechen und auf sich aufmerksam kann. Ihm war klar, dass ein Stand allein im großen Rund der Veranstaltungsfläche nicht ausreichen wird. Da muss noch mehr passieren, da muss ein Konzept her …
Ihm war klar, dass es ohne Social Media heute nicht mehr funktionieren wird, Auszubildende auf sich und den Beruf des Steinmetzes aufmerksam zu machen. So entwickelte er im ersten Schritt einen Instagram- und Facebook-Account für sein Unternehmen. Hier nimmt er den Betrachter mit auf die Reise durch seine Werkstatt mit modernen Arbeitsgeräten, zeigt, worin die Aufgaben eines Steinmetzes liegen, wie vielseitig diese sind und stellt die verschiedenen Möglichkeiten der Steinverlegung vor. Aber das allein reicht ihm nicht. Er zeigt auch auf, wie das Team agiert und dass nicht nur Arbeiten zum Arbeitsleben gehört, sondern auch das gesellige Beisammensein, zum Beispiel bei Teambildungsmaßnahmen und einer Weihnachtsfeier.
Für seine Teilnahme an der Ausbildungsbörse 2025 investierte er im zweiten Schritt in einen firmenspezifisch gelabelten Energy-Drink, einem Getränk, das bei jungen Leuten sehr beliebt ist. Das Label der Getränkedose beinhaltet alles, was der junge Mensch wissen sollte, wenn er sich vorstellen könnte, bei Bollig eine Ausbildung zu beginnen. Einen QR-Code, der auf eine extra hierfür angelegte und bewusst schlankgehaltene Landing-Page führt und den Weg zur ersten, vereinfachten Kontaktaufnahme ermöglicht.
Der Austausch des Energy-Drinks war komplett unaufdringlich. Schmitz drückte jedem jungen Menschen, der an seinem Stand vorbeikam und es zuließ, einen solchen Drink in die Hand und wünschte ihm einen erfolgreichen Tag. So wurden ca. 100 Drinks ausgegeben und daraus resultierten im Nachgang 50 Einzelgespräche am gleichen Tag und am Ende neun interessierte Bewerber. Mit den potenziellen Bewerbern wurde kurz darauf ein individuelles Gespräch geführt und bei erstem Gefallen ein von eintägiges- bis zweiwöchiges Praktikum durchgeführt. Ein Bewerber hat sich sogar entschlossen, ein ganzes Jahr lang einmal pro Woche ein Jahrespraktikum bei der Firma Bollig zu absolvieren.
Letzten Endes hat Schmitz einen Auszubildenden für dieses Jahr begeistern können, der seit dem 01. August den Beruf des Steinmetzes erlernt und für das kommende Jahr steht auch schon ein junger Mensch in den Ausbildungsvertragsverhandlungen. Alles richtig gemacht, sozusagen …
Wichtig ist, so Schmitz, dass man grundsätzlich im Gespräch mit den potenziellen Auszubildenden auf Augenhöhe und mit Respekt voreinander bleibt. Das ist für Viele ein wichtiger und manchmal auch entscheidender Wesenszug.
Die Erfahrungen hieraus haben Schmitz bestärkt, künftig mit den Schulen Kontakt aufzunehmen und hier mit Informationen zum Ausbildungsberuf Steinmetz verstärkt den Kontakt zu der Zielgruppe, den Schülerinnen und Schülern zu suchen.
An einer diesjährigen Teilnahme am Marktplatz der Möglichkeiten oder der Ausbildungsbörse in 2026 kann Schmitz verzichten. Legt aber allen Unternehmen in Hürth ans Herz, weiter auszubilden, auch wenn das Rekrutieren manchmal mit Warten und etwas mehr Geduld verbunden ist – es lohnt sich aber am Ende und ist unverzichtbar gegen den Kampf des Fachkräftemangels.
Wir haben Maxim gefragt, warum er sich für eine Ausbildung bei Bollig entschieden hat:
„Sehenswürdigkeiten, wie der Kölner Dom, inspirierten mich, mich für den Beruf des Steinmetzes zu interessieren. Nach einer persönlichen Empfehlung schaute ich mir den Instagram-Account von Steintechnik Bollig an und beschloss, mich dort für ein Erstgespräch zu melden. Nach einem lockeren Gespräch mit Thomas Schmitz entschied ich mich für ein zweiwöchiges Praktikum. Dabei habe ich gelernt, welch riesige Nachfrage an hochwertigen Steinprodukte den Steinmetz begleiten. Die heutigen Arbeitskollegen lernte ich dort auch schon gut kennen. Danach war mein Entschluss gefestigt und ich wollte unbedingt bei Herrn Schmitz in der Steintechnik Bollig meine Ausbildung absolvieren.“